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2000 Jahre Chronik - Osama bin Laden
Anmerkung der Redaktion
Die Reaktion der USA und von Großbritannien auf das Attentat vom 11.9.2001 hat die Welt keinesfalls sicherer gemacht. Und es sind keineswegs schlüssige Beweise für eine Verantwortung von Osama bin Laden oder der El Quaida Extremisten erbracht worden. Unsere bin-Laden-Biografie kann Ihnen aufzeigen, wie die Stigmatisierung eines Mannes zum 'Weltfeind Nummer 1' davon ablenken hilft, was die verbleibende Großmacht und die ehemalige Großmacht an Afghanistan tatsächlich interessiert. Wir werden hierzu weiterhin Stellung beziehen unter besonderer Berücksichtigung der historischen Wurzeln gegenwärtigen Handelns.
Weltfeind Nummer Eins?
Biografie Osama bin Laden - Teil 5 a
Vom Widerstandskämpfer zum Terroristen
Zweiter Afghanistan-Aufenthalt und Engagement im Sudan
Osama bin Laden wurde nach seiner Rückkehr aus dem afghanischen Widerstandskrieg gegen die sowjetische Besatzung von den Behörden seiner saudisch-arabischen Heimat quasi in Hausarrest gehalten, nach seinen Agitationen über religiöse Zirkel gegen das Amerika-hörige Königshaus hatte Prinz Nayef, zuständig für Innere Angelegenheiten, seinen Freiraum sogar auf seine Heimatstadt Jiddah beschränkt gehabt - ein für Osama unhaltbarer Zustand. Und dann ist da noch der Angriff der saudischen Nationalgarde auf eine seiner Anlagen, eine Farm in der Nähe von Jiddah, Ende 1990 zu erwähnen. Man hatte wohl mehr ihn als das Objekt gemeint - er konnte nicht gefunden werden, die Anlage wurde zerstört. Osama protestierte schriftlich beim saudischen Königshaus, das sich entschuldigte und versprach, 'die Schuldigen zu finden und zu bestrafen'.
Die Familie bin Laden pflegte zwar erstklassige Kontakte zu König Fahd und zum Königshaus insgesamt, gegen die sture Haltung von Prinz Nayef in der 'Osama'-Frage konnte allerdings auch sie Nichts ausrichten. Osama wartete deshalb eine Gelegenheit ab, in der sich Prinz Nayef zu Geschäftsreisen außer Landes befand, und bat dann kurz vor April 1991 einen seiner Brüder, der gute Beziehungen zu Prinz Ahmed, Stellvertreter Nayefs, unterhielt, das Ausreiseverbot aufheben zu wollen, weil er dringende Geschäfte in Pakistan zu erledigen habe. Diese Notlüge funktionierte - und Osama bin Laden floh aus seinem Heimatland Saudi-Arabien.
Von Pakistan aus reiste er unverzüglich nach Afghanistan weiter, um der pakistanischen Geheimpolizei zu entgehen, die ihn unweigerlich nach Saudi-Arabien zurück geschickt hätte. Er entschuldigte er sich schriftlich bei seinem Bruder, dass er dessen Vertrauen missbraucht habe und ihn nun in dieser Angelegenheit gegenüber dem saudischen Königshaus wohl hängen lassen müsse - nach Hause zurück kehren werde er jedenfalls nicht.
In Afghanistan erwarteten ihn chaotische Zustände: Nach dem im Februar 1989 errungenen Sieg der Mujahidin über die Invasoren aus der UdSSR ging der Bürgerkrieg dort in eine neue Phase, in der nicht nur Alle gegen das bis dahin sowjetisch gestützte Regime unter Mohammed Nadschibullah kämpften, sondern beim Verteilungskampf um Positionen, Macht und Pfründe in der 'nach-sowjetischen' Phase Afghanistans so nach und nach auch jede Gruppe gegen jede andere. Osama bin Laden versuchte sicherlich unermüdlich, zwischen den verfeindeten Gruppen vermittelnd zu wirken, jedoch ohne Erfolg. Dennoch wird sich seine Mühe später auszahlen, wenn er zum Dritten Mal nach Afghanistan einreisen muss, um dort endgültige und dauerhafte Zuflucht zu suchen und zu finden. In dieser Phase jedenfalls gibt er auf - er sucht sinnvollere Aufgaben als nur stets erfolgloser Schlichter unter den verfeindeten Mujahidin zu sein. Seine Anhänger jedenfalls weist er an, sich aus den Konflikten der im Bürgerkrieg Afghanistans verfeindeten Gruppen heraus zu halten.
Während seines wenige Monate dauernden zweiten Aufenthalts in Afghanistan dürfte ihn der saudische Geheimdienst intensiv gejagt zu haben, zumindest ist wohl mehrfach versucht worden, seiner habhaft zu werden oder sich seiner zu entledigen. Stets konnte Osama geplanten Anschlägen gegen ihn entkommen, weil er rechtzeitig aus 'gut informierten Kreisen' insbesondere in Saudi-Arabien und Pakistan, dem für den Westen einzig funktionierenden Tor nach Afghanistan, gewarnt worden war. Er entschied sich Ende 1991, das Land wieder zu verlassen.
Viele Alternativen zu Afghanistan hatte bin Laden nicht. Allerdings war da noch der Sudan, der seit 1989 von der Muslim-Bruderschaft, der ja auch Osama seit seiner Studentenzeit angehörte, unter Hassan el-Turabi machtpolitisch bestimmt war. Und im Sudan, der wegen seines islamistischen Regimes weltpolitisch so gut wie vollständig isoliert war, gab es Einiges zu tun. Usama bin Laden sah wohl eine Vielzahl von Möglichkeiten, nicht nur humanitäre Hilfe zu leisten oder zu organisieren, sondern auch Familieninteressen des Baukonzerns bin Laden zu vertreten. Er verließ Afghanistan Ende 1991 in einem bin-Laden-Firmen-Jet Richtung Sudan, und man sollte beachten, dass es zu diesem Zeitpunkt sicherlich nicht zu seinen Ambitionen gehörte, Terrorismus oder 'den Jihad' dort hin zu bringen.
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Quellen: Internet, insbesondere http://pbs.org/frontline/