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2000 Jahre Chronik - Osama bin Laden
Anmerkung der Redaktion
Die Reaktion der USA und von Großbritannien auf das Attentat vom 11.9.2001 hat die Welt keinesfalls sicherer gemacht. Und es sind keineswegs schlüssige Beweise für eine Verantwortung von Osama bin Laden oder der El Quaida Extremisten erbracht worden. Unsere bin-Laden-Biografie kann Ihnen aufzeigen, wie die Stigmatisierung eines Mannes zum 'Weltfeind Nummer 1' davon ablenken hilft, was die verbleibende Großmacht und die ehemalige Großmacht an Afghanistan tatsächlich interessiert. Wir werden hierzu weiterhin Stellung beziehen unter besonderer Berücksichtigung der historischen Wurzeln gegenwärtigen Handelns.
Weltfeind Nummer Eins?
Biografie Osama bin Laden - Teil 5 f
Vom Widerstandskämpfer zum Terroristen
Industrielle Produktion von Widerstandskämpfern
Seit der neuerlichen Ankunft Osama bin Ladens in Afghanistan strömten seit 1996 wieder Mujahidin aus allen arabischen Ländern ins Land, um sich in den nach wie vor bestehenden Al Qaida Camps ausbilden zu lassen und der Taliban-bin-Laden-Allianz beim Kampf gegen die Mujahidin im afghanischen Norden und die von Moskau künstlich beatmeten Sozialisten in Kabul zu helfen oder zum selbständigen Widerstand gegen die westliche Allianz im arabischen Kernland in ihre Heimat, überwiegend nach Ägypten und Saudi-Arabien, zurück zu kehren.
Anfang 1998, nachdem er ausreichende Rückendeckung durch die Ulema zu haben glaubte, beschloss bin Laden zweierlei:
erstens seine Arbeit auf eine breitere internationale Basis zu stellen,
und zweitens mehr an die Öffentlichkeit zu gehen.
Im Februar 1998 erklärte er die Gründung der 'Internationalen Islamischen Front des Jihad gegen Juden und Kreuzzügler' und weitete damit sowohl die Zahl der islamischen Staaten aus, aus denen sich die Mujahidin rekrutierten, als auch die der Zielländer, in denen der Kampf gegen westliche Einflussnahme ausgetragen werden sollte. Er richtete sich damit vornehmlich an Kaschmir, Pakistan, Indien und ehemalige Sowjetrepubliken mit muslimischer Bevölkerung. Gleichzeitig mit der Gründungserklärung veröffentlichte er eine Fatwah, die das Töten von Juden und Amerikanern sanktionierte. Diese Fatwah fand außer in zwei arabischen Zeitungen allerdings nur ein geringes internationales Medien-Echo. Dies zu ändern war Maßnahme Nr. zwei. Nachdem Osama bin Laden fast ein Jahr lang bis auf eine Ausnahme jeden Pressekontakt auf Wunsch der Taliban gemieden hatte, ging er jetzt auch gegen den Wunsch des Talibanführers Mullah Omer in die Medienoffensive. Im April 1998 empfing er ein Fernsehteam des US-Senders ABC, und zwei Wochen später hielt er in Khost eine Pressekonferenz ab, auf der er die westliche Welt vor 'in wenigen Wochen bevor stehende Attacken' warnte.
Die dann folgenden schweren Bombenattentate auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania im Juli 1998 kamen insofern also eigentlich nicht überraschend, außer für diejenigen, die ihm nicht gut genug zugehört hatten. Angriffe mit Autobomben hatte man ja vorher bereits mehrfach in Saudi-Arabien erlebt. Dort, im arabischen Kernland, war man möglicher Weise inzwischen wachsamer geworden. Aber man hatte die Ausweitung des Gefahrenbereiches in der letzten 'Fatwah' wohl überhört gehabt.
Die USA machten nach Somalia (dort gerieten sie am 3.Oktober 1993 mit Spezialeinheiten, die den Rebellenführer Aidid fangen sollten, in einen Hinterhalt, was zum Abzug aller US-Soldaten aus der UN-Operation geführt hatte und in der arabischen Welt als 'Gesichtsverlust' und 'Feigheit vor dem Feind' angesehen wurde) erneut einen bedeutenden psychologischen Fehler in der Auseinandersetzung mit der arabisch-islamischen Welt: Sie antworteten auf die Bombenattentate in Ostafrika überhastet mit einem Raketenangriff auf ein vermeintliches bin-Laden-Versteck im afghanischen Khost. Dabei kamen mindestens 6 Mujahidin und 20 Zivilisten ums Leben, der Materialschaden war gering, und Osama bin Laden Hunderte von Kilometern entfernt.
Aus der Sicht nicht nur der Islamisten sondern auch vieler bis dahin moderater Muslims erwies sich der bis dato als übermächtig gefürchtete 'Feind' USA, auf den Osama bin Laden so unmissverständlich, wiederholt und nachhaltig gezeigt hatte und nach wie vor zeigt (ohne 'Fäden zu ziehen'), auf ein Mal als 'großmäuliger Kümmerling'. Und an diesem destruktiven Image der USA und ihrer Alliierten feilt Osama bin Laden sicherlich genußvoll und geduldig. Er hat viel bewegt, dieser mehr durchgeistigte als militaristisch denkende Mann, und sich selten gezeigt oder öffentlich (zumindestens für westlicherseits empfängliche Ohren) geäußert. Eines der letzten Interviews, das er westlichen Medienvertretern gegeben hatte, gewährte er der ABC, und es stammt vermutlich vom Januar 1999 - spätere Auftritte dieser Art gewährte er nur noch den 'arabisch-islamischen Verwandten'. Dazu gehören auch die Szenen, die ihn in lockerer und fröhlicher Stimmung bei der Hochzeit eines seiner Söhne im Januar 2001 zeigen.
Tatsache scheint jedenfalls zu sein, dass spätestens seit Anfang 1998
Osama bin Laden in 'seinen' inzwischen auf mehrere Dutzend angewachsenen 'Camps' ausschließlich radikal-muslimische Widerstandskämpfer drillen lässt,
die Zahl der derart offensichtlich erstklassig ausgebildeten Guerilla in die Tausende gehen dürfte,
die so Ausgebildeten inzwischen weltweit verteilt sind, ohne von bin Laden oder einer direkten 'Organisation' befehligt zu werden (Al Qaida wird nur vom Westen als die Organisation bin Ladens bezeichnet - er selbst identifiziert sich mit diesem Begriff keines Wegs; übrigens: auch 'der Westen' bildet Guerillas aus, ohne die Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen),
bin Laden die Rekrutierung der inzwischen weltweit operierenden oder zur Verfügung stehenden ('Schläfer') Mujahidin aus so gut wie allen muslimischen Staaten der Welt organisiert oder organisieren hilft,
er deren Selbstverwaltung und Rückgliederung in ihre Heimatländer oder Zielstaaten effizient organisiert,
bin Laden eigenes und fremdes (Spenden-) Geld in das, was inzwischen als 'seine' Al Qaida Organisation gilt, fließen lässt,
Osama bin Laden zu einem hoch geachteten geistlichen Führer radikal-islamistischer Gesinnung geworden ist, der mit einer einzigen 'Fadwah' offensichtlich mehr bewirken kann als Hunderte von Milliarden Dollar an Wehr- resp. 'Verteidigungs'-Etat.
So weit zu unserer Biografie zu Osama bin Laden, den man kaum kennen würde, hätte man ihn nicht bereits zu Lebzeiten und voreilig und gezielt zum Helden und potentiellen Märtyrer gemacht...
...Fragt sich nur, um welchen Preis? Und warum eigentlich?...
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Quellen: Internet, insbesondere http://pbs.org/frontline/