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2000 Jahre Chronik - Das aktuelle Thema
Anmerkung der Redaktion
Die Reaktion der USA und von Großbritannien auf das Attentat vom 11.9.2001 hat die Welt keinesfalls sicherer gemacht. Und es sind keineswegs schlüssige Beweise für eine Verantwortung von Osama bin Laden oder der El Quaida Extremisten erbracht worden. Unsere bin-Laden-Biografie kann Ihnen aufzeigen, wie die Stigmatisierung eines Mannes zum 'Weltfeind Nummer 1' davon ablenken hilft, was die verbleibende Großmacht und die ehemalige Großmacht an Afghanistan tatsächlich interessiert. Wir werden hierzu weiterhin Stellung beziehen unter besonderer Berücksichtigung der historischen Wurzeln gegenwärtigen Handelns.
Dieser Beitrag erreichte uns am 13.9.2001 per email:
Ursachenforschung und Aufklärung ist überfällig
(Antwort von Dr.Golzio, indologisches Seminar Bonn, auf eine Anfrage der weltchronik Redaktion)
Meines Erachtens entstand der Konflikt zunächst zwischen den westlichen Großmächten (damals noch stärker im Vordergrund: Großbritannien und Frankreich) und dem arabischen Nationalismus, insbesondere dem eines Gamal Abd an-Nasir ['Nasser'] in Ägypten, der die volle Kontrolle über Ägypten haben wollte (einschließlich desSuezkanals). Dabei wurde auf der anderen Seite die Präsenz der USA unübersehbar. Es folgte dann Syrien mit seiner laizistischen [die radikale Trennung von Kirche und Staat fordernd; Anm.d.Red.] Ba'th-Partei sowie der Sturz der Monarchien im Iraq (1958) und in Libyen (1969), die nationalistische, eher weltlich orientierte Regimes an die Macht brachten, die alle strikt anti-israelisch und wegen der massiven Unterstützung Israels durch die USA auch anti-amerikanisch waren. Überhaupt spielt die einseitige Unterstützung Israels und die lange Zeit fehlende Bereitschaft, friedensvermittelnd aufzutreten, eine ungeheure wichtige Rolle.
Da der arabische Nationalismus aber nicht in der Lage war, in seinem Sinne erfolgreich auf die Herausforderung zu reagieren, gewannen (auch bereits früher vorhandene) fundamentalistisch-islamische Stimmen sehr an Gewicht und Einfluss und überlagerten vielfach den Nationalismus, ohne dass dieser völlig an Bedeutung verloren hat (die Kriege Saddam Husains waren rein nationalistische Kriege). Aber spätestens seit dem Sieg der Iranischen Revolution hatte der Islamismus gewaltigen Auftrieb, und es bildeten sich auch Gruppierungen in solchen Ländern, deren Regierungen eher prowestlich waren oder zumindest nicht unter theokratischem Einfluss standen. Jedenfalls wurde damit die Komponente des Jihad, 'des Sichbemühens auf dem rechten Weg', der auch die Verteidigung des Islam mit der Waffe beinhaltet, wieder viel bedeutsamer. Gestärkt wurde diese Haltung nach dem Sieg über die Sowjets in Afghanistan, der ja von vielen verschiedenen Gruppen, die sich alle als Mujahidin ('die den Jihad führen') bezeichneten, errungen wurde. Trotzdem vertraten die meisten einen eher gemäßigten Islam, was aber einigen Radikalen offensichtlich nicht genügte. Deshalb entstanden in Pakistan die Taliban ('Koranstudenten', 'Theologiestudenten', von arab. Talib [T.aalib] = Student), die ja jetzt fast das ganze Land Afghanistan beherrschen. Solche Radikalen betrachten auch die meisten Regierungen in islamischen Staaten als un-islamisch und streben langfristig deren Beseitigung an.
......Gewiss haben viel zu viele [Menschen] Vorurteile über den Islam, die hauptsächlich auf Nichtwissen und Desinteresse beruhen...
14.9.2001
Dr. Karl-Heinz Golzio
(Wir danken an dieser Stelle Herrn Dr. Golzio vom Indologischen Seminar der Uni Bonn für seinen Beitrag und darüber hinaus für seine regelmäßigen Anmerkungen zu unserem Kalenderblatt; seine email Anschrift ist der Redaktion bekannt)