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2000 Jahre Chronik - Das aktuelle Thema
Anmerkung der Redaktion
Die Reaktion der USA und von Großbritannien auf das Attentat vom 11.9.2001 hat die Welt keinesfalls sicherer gemacht. Und es sind keineswegs schlüssige Beweise für eine Verantwortung von Osama bin Laden oder der El Quaida Extremisten erbracht worden. Unsere bin-Laden-Biografie kann Ihnen aufzeigen, wie die Stigmatisierung eines Mannes zum 'Weltfeind Nummer 1' davon ablenken hilft, was die verbleibende Großmacht und die ehemalige Großmacht an Afghanistan tatsächlich interessiert. Wir werden hierzu weiterhin Stellung beziehen unter besonderer Berücksichtigung der historischen Wurzeln gegenwärtigen Handelns.
Dieser Beitrag erreichte uns am 15.9.2001 per email:
Zur Normalität habe ich in diesen Tagen nicht gefunden
Diese Wahnsinnstat und die möglichen Folgen beschäftigen mich viel zu sehr. Ich bin mehr als besorgt.
Nach den Terroranschlägen in den USA besagen Meinungsumfragen, dass die Mehrheit der Bundesbürger militärische Vergeltung gegen die Schuldigen für gerechtfertigt hält. Wer unterscheidet hier noch zwischen islamischen Fundamentalisten und friedlichen Moslems. Der vernichtende Zorn kann nahezu jede Region, jedes Land auf der Welt treffen, in der die Hintermänner des Terrors vermutet werden und all die Brücken der Verständigung zwischen Orient und Okzident, zwischen Christen und Moslems zum Einsturz bringen.
Entschlossenes Handeln ist das Gebot der Stunde, denn Hass macht blind und erzeugt neues Unrecht. Die Mörder und ihre Anstifter müssen bekämpft werden, doch muss uns Allen klar sein: sie stehen nicht für ein Volk, nicht für eine Religion und nicht für eine Kultur.
Inzwischen werden in Deutschland die ersten Übergriffe in Form von Beschimpfungen und Bedrohungen auf Muslime bekannt. Menschen, mit denen wir zusammenleben, die unsere Nachbarn, Kollegen und Freunde sind, sind in Sorge, auf Grund ihres islamischen Glaubens, ihrer Herkunft, pauschal verurteilt oder ausgegrenzt zu werden.
Hier sind wir alle gefordert, der Gefahr einer Eskalation der Gewalt mit Vernunft und Menschlichkeit entgegenzutreten.
Einer Minderheit islamischer Extremisten und Fanatiker steht die überwiegende Zahl der Angehörigen des gemäßigten Islams gegenüber. Fundamentalismus ist nicht ein Zeugnis des Glaubens sondern sein ärgster Feind. Scheich Mohammed Sayyed Tantawi, der Imam der Hochschule Al-Azhar in Kairo und die höchste religöse Autorität des sunnitischen Islam, betonte beim gestrigen Freitagsgebet in der Moschee der Hochschule: '...es zeugt nicht von Mut, unschuldige Kinder, Frauen und Zivilisten zu töten. Mut bedeutet, die Freiheit zu schützen, Mut, das heißt, sich zu verteidigen und nicht anzugreifen.'
Wir stehen vereint in Solidarität mit dem amerikanischen Volk und wir stehen zusammen gegen Hass und Gewalt. Menschen in der ganzen Welt erklären sich solidarisch, gedenken der Opfer des Terroraktes in den USA mit Schweigemärschen, Gottesdiensten und Lichterketten - werden sie auch mit diesem unermesslichem Schmerz der unschuldigen Opfer gedenken, die bei einem militärischen Vergeltungsschlag ihr Leben lassen müssen? In dieser schweren Zeit ist die emotionale Nähe zu USA sehr groß und Europa ist verpflichtet, Beistand zu leisten. Doch die Tragweite der sofortigen bedingungslosen Solidaritätsbekundungen wird Europa jetzt bewusst, nachdem US-Präsident Bush Osama bin Laden als Hauptverdächtigen für die Terroranschläge benannt und der US-Senat der Resolution über den Einsatz von Gewaltmitteln zugestimmt hat.
Besonnenheit muss nun die Stärke der wichtigen politischen Führer dieser Welt sein. Wer Terrorismus besiegen will, muss durch politische Initiative dafür sorgen, dass dem Terror der Boden entzogen wird, Konflikte entschärft werden und eine gerechte internationale Ordung gesichert wird. Amerika ist zutiefst verwundet, die Welt noch gelähmt vom Schock, doch ein Rachfeldzug in Form eines militärischen Vergeltungsschlages erzeugt Nährboden für neuen Hass. Das kann und darf nicht die Lösung sein!
Nichts ist so schwer zu bauen und nichts ist so leicht zu zerstören wie der Friede.
15.9.2001
Gabriele Meinhardt
(Wir danken an dieser Stelle Gabriele Meinhardt, der wir alle die hervorragende WebSite Faden der Erinnerung 'Frauengeschichte - Frauengeschichten' - verdanken, und darüber hinaus für ihre regelmäßigen Ergänzungen zu unserem Kalenderblatt; ihre email Anschrift ist der Redaktion bekannt)