Der am 10. Februar 1898 in Augsburg als Sohn eines Fabrikdirektors geborene Eugen Berthold
Friedrich Brecht feierte 1928 mit seiner "Dreigroschenoper", zu der Kurt Weill
die Musik schrieb, den größten Theatererfolg der Weimarer Republik. Das Stück stellt
die erste konsequente Durchführung seiner Theorie vom "epischen Theater" dar,
das die Zuschauer im Sinne der marxistischen Lehre von der Veränderbarkeit der Welt
überzeugen will. Es verzichtet auf dramatische Zuspitzungen und klassische theatralische
Effekte zugunsten einer "Verfremdung" der Handlung durch Kommentare, Songs,
Spruchbänder und Textprojektionen. Seine publikumsgerichtete Wirkungsästhetik nennt
Brecht auch "antiaristotelisch".
Das umfangreiche dramatische Werk Brechts läßt sich grob in drei Schaffensperioden
gliedern: Die expressionistisch-anarchistische Frühphase mit Stücken wie
"Baal", "Trommeln in der Nacht", "Im Dickicht der Städte"
mündet in die Phase der politischen Lehrstücke wie "Die Maßnahme", "Die
Heilige Johanna der Schlachthöfe", "Der Jasager und der Neinsager".
"Die Mutter" belegt auch am deutlichsten Brechts Lehrabsicht: Eine unpolitische
Arbeiterfrau wandelt sich unter dem Eindruck der sozialen und politischen Kämpfe zur
bewußten Kommunistin. In seiner letzten, fruchtbarsten Schaffensperiode während der
Emigration (er floh 1933 über zahlreiche Zwischenstationen in die USA) und in der
Nachkriegszeit entstanden die vielgespielten Meisterwerke "Leben des Galilei",
"Mutter Courage", "Der gute Mensch von Sezuan", "Herr Puntila und
sein Knecht Matti".
1949 konnte Brecht mit der Gründung des "Berliner Ensembles" (zusammen mit
seiner Frau, der Schauspielerin Helene Weigel) dem
Theaterleben Ostberlins Weltgeltung verschaffen, selbstverständlich in konsequenter
Fortführung seiner politischen Kunsttheorie. Im selben Jahr erhielt er den
Stalin-Friedenspreis. Brecht starb am 14. August 1956 in Berlin.
Der bedeutendste deutsche Dramatiker und Theatertheoretiker des 20.
Jahrhunderts, zugleich ein wichtiger Neuerer in der modernen Lyrik, hat ein gewaltiges
Werk hinterlassen, dessen Faszination sich auch politische Gegner des überzeugten
Marxisten nicht entziehen zu können. 30 Dramen sind bisher veröffentlicht worden, 150
Prosatexte (ohne Tagebücher und Briefe), 1300 Gedichte, Lieder und Songs, drei Romane
sowie zahlreiche Fragmente
Bertolt Brecht Links: Gemälde von R. Schlichter Rechts: Plakat
zur "Dreigroschenoper", 1960
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