Houston Stewart Chamberlain (1855 bis 1927 nach Christus)
Er appellierte an das "Rassegewissen" der Deutschen.
Wie kosmopolitische Erziehung in rassistischen Dünkel umschlagen kann, läßt sich an
seiner Biographie beispielhaft ablesen: Am 9. September 1855 in Portsmouth geboren, als
Kind in Versailles aufgewachsen, während der Schulzei wieder in England, danach Student
in der Schweiz, hörte Houston Stewart Chamberlain als 20jähriger erstmals die Musik
Richard Wagners, der ihn nicht wieder losließ. Er nahm jedes Jahr an den Bayreuther
Festspielen teil, heiratete 1908 die Wagner-Tochter Eva und wurde 1916 Deutscher.
Nicht nur die Musik, sondern auch die antijüdischen Äußerungen des Komponisten
hatten es ihm angetan: In seinem Hauptwerk "Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts"
(1899) entwickelte er eine "asemitische" Kulturtheorie, nach der nur die
Germanen, deren "rassische Grundkräfte" das deutsche Volk am besten bewahrt
habe, schöpferisch seien. Die Juden hingegen verkörperten für ihn das zerstörerische
Prinzip, von dem man das Christentum reinigen müsse. Mit dieser abstrusen lehre
beeinflußte Chamberlain neben anderen Rassisten auch Hitler, den er 1924 kennen- und
schätzenlernte. Er starb am 9. Januar 1927 in Bayreuth.
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