Vom Sattler zum Reichspräsidenten - solche erstaunliche Karrieren bringen nur
Umbruchzeiten hervor : Friedrich Ebert, Handwerkersohn aus Heidelberg, geboren am 4.
Februar 1871, fand schon mit 18 Jahren zur SPD, wurde 1893 Redakteur, stieg 1905 zum
Sekretär des Parteivorstandes auf, wurde 1912 in den Reichstag gewählt, 1913 als
Nachfolger Bebels Parteivorsitzender und 1916 Fraktionschef.
Unbelastet von der dröhnenden kaiserlichen "Weltpolitik" und dem
Säbelrasseln der Nationalisten, wurden ihm als Führer der stärksten Partei in den Tagen
des militärischen wie politischen Zusammenbruchs im November 1918 von Prinz Max von Baden
die Führung der Regierungsgeschäfte übergeben.
Im Bündnis mit den Militärs konnte Ebert die immer abgelehnte bolschewistische
Revolution nach dem sowjetischen Vorbild verhindern, nicht aber den Sturz der Monarchie,
die ihm aus Gründen der Kontinuität unentbehrlich schien. Am 11. Februar 1919 wählte
ihn die Nationalversammlung in Weimar zum ersten Reichspräsidenten der jungen Republik,
ein Amt, das er bis zu seinem Tod am 28. Februar 1925 innehatte, ohne seine Machtfülle
auszuschöpfen.
Eher Pragmatiker als Ideologe, hatte er einen Weg der Mitte und der Abwehr der
Radikalen von links wie rechts gesucht. Seine Lauterkeit sicherte ihm auch den Respekt
vieler Gegner.
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