Zu den schändlichsten Kapiteln der finsteren Epoche von 1933 bis 1945 in Deutschland
gehört das juristische. Zwar mühten sich viele Richter, Staatsanwälte und Rechtslehrer
um die Wahrung wenigstens eines Scheins von Recht, doch verblassen ihre kosmetischen
Versuche angesichts ihrer ansonsten unfaßbaren Blutjustiz.
Ihr furchtbarster Vertreter, geradezu die Verkörperung des Unrechtsstaates, war Roland
Freisler aus Celle, wo er am 30. Oktober 1893 zur Welt kam. 1925 in die NSDAP Hitlers
eingetreten, wurde er 1934 Staatssekretär im Justizministerium und 1942 Präsident des
Volksgerichtshofes, der vor allem politische Straftaten zu ahnden hatte, und das waren
alle Handlungen und Meinungsäußerungen, die dem regime nicht genehm waren.
Freislers Urteile lauteten zu 90 Prozent auf Todesstrafe, deren Verfahren gefilmt
wurden, brüllte er förmlich an den Galgen. Am 3. Februar 1945 mußte Freisler eine
Verhandlung wegen eines Luftangriffes auf Berlin abbrechen; auf dem Wege in den
Luftschutzkeller erschlug ein herabfallender Balken Hitlers Blutrichter.
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