Der preußische Literat konnte in München nicht Fuß fassen.
Der spätromantische Dichter, geboren am 17. Oktober 1815 in Lübeck, lernte als
Student in Berlin Chamisso und Eichendorff kennen. Bestimmend für seine klassische
Dichtung wurde ein zweijähriger Griechenlandaufenthalt (1838-40) als Hofmeister beim
russischen Gesandten in Athen.
Politisch nationalkonservativ, stand Geibel in scharfem Gegensatz zu den Jungdeutschen
und erhielt für patriotische Dichtungen 1842 von Friedrich
Wilhelm IV. eine jährliche Pension von 300 Talern. 1852 berief ihn der bayrische
König Maximilian II. als Professor für deutsche Literatur und Metrik nach München.
Dort wurde der Lyriker zum Mittelpunkt des Dichterkreises "Krokodil" und der
königlichen Tafelrunde. Seinen Ruhm begründete Geibel mit volkstümlichen Liedern
("Der Mai ist gekommen"). Ansonsten hinterließ er ein Werk von rein epigonalem
und wenig originellem Charakter.
Er vertrat die Romantik zu einre Zeit, als sie längst überholt war, und reduzierte
sie auf rein empfindsame Ästhetik. Nach dem Tod Maximilians (1864) wegen seiner
preußischen Gesinnung angefeindet, verlor Geibel 1868 sein Gehalt und ging nach Lübeck
zurück, wo er am 6. April 1884 starb.
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