Am Pfingstmontag, dem 26. Mai 1828, tauchte nachmittags zwischen vier und fünf auf dem
Nürnberger Unschlittplatz ein etwa 16jähriger, verwahrloster, bäuerlich gekleideter
Junge auf, der, offensichtlich geistig zurückgeblieben und kaum fähig zu sprechen,
seinen Namen mit Kaspar Hauser angab.
Seit dieser Zeit wird über seine Herkunft gerätselt - über 2.000 wissenschaftliche
Veröffentlichungen zu dem Thema gingen verschiedensten Theorien nach. Die populärste
besagte, der Junge sei ein von der Gräfin Hochberg aus dynastischen Gründen
beiseitegeschaffter badischer Erbprinz, während nüchterne Zeitgenossen und Autoren ihn
für einen Betrüger hielten.
Weder für die eine noch die andere Version ließen sich stichhaltige Beweise
erbringen, ebenso wenig wie für die Angabe Hausers, allein in einem unterirdischen Verlies
aufgewachsen zu sein, obwohl sein offensichtlich verkümmerter Seelenzustand, der sich
trotz liebevoller pädagogischer Bemühungen nicht besserte, derartiges wahrscheinlich
macht und sein Name so zum Synonym für psychische Schäden durch fehlenden menschlichen
Kontakt wurde.
Viele Prominente nahmen sich seiner an, allen voran der Rechtsgelehrte Anselm Feuerbach. 1831 wurde Hauser von Lord Stanhope
adoptiert, der ihn bei dem Volksschullehrer J.G. Meyer in Ansbach unterbrachte. Für das
dortige Gericht machte er einfache Schreibarbeiten.
Am 14. Dezember 1833 kam Hauser mit einer tödlichen Stichwunde in der Brust nach
Hause, an der er drei Tage später starb. Bis heute sind die Umstände nicht geklärt -
wahrscheinlich wurde er das Opfer eines Attentats, obwohl es auch Stimmen gibt, die
Selbstmord vermuten.
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