Die deutschen Duodenzfürsten, aber auch die Herren bedeutender Länder betrachteten
den Tübinger Professor mit Misstrauen, denn Friedrich Lists Forderungen nach Abschaffung
der Binnenzölle im Deutschen Bund rührte an die heiligsten Grundlagen der
Souveränität.
Der am 6. August 1789 in Reutlingen geborene und 1817 zum Universitätslehrer bestellte
Volkswirt wurde daher 1820 entlassen und zu Festungshaft verurteilt. Er setzte sich
zunächst nach Frankreich, dann in die USA ab, wo er als Farmer und Redakteur arbeitete.
1832 kehrte List als amerikanischer Konsul nach Deutschland zurück und nahm seine
wirtschaftspolitische Mission wieder auf, indem er für die Schaffung eines deutschen
Eisenbahnnetzes und für den Deutschen Zollverein wirkte. Zwar plädierte er für einen
gesamteuropäischen Wirtschaftsraum, doch müsse diesem eine Phase der Schutzzölle
vorausgehen zur Herstellung gleicher Wettbewerbsbedingungen ("Das nationale System
der politischen Ökonomie").
Die Resonanz blieb gering, List, nach dem Verlust seines amerikanischen Vermögens
verarmt und gesundheitlich angeschlagen, resignierte. Am 30. November 1846 wählte er in
Kufstein den Freitod.
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