Pasolini wurde am 5. März 1922 in Bologna als Sohn eines faschistischen Offiziers
geboren und kam während des Krieges erstmals mit dem Marxismus in Berührung, der die
ideologische Basis seiner kreativen Arbeit werden sollte. 1943-49 Lehrer, dann freier
Schriftsteller, begann er in den 50er Jahren für den Film zu arbeiten, zunächst als
Drehbuchautor, unter anderem für Federico Fellini und Bernardo Bertulucci.
Seine erste Regiearbeit, "Accatone - wer nie sein Brot mit Tränen aß"
(1961), war wie der sehr erfolgreiche zweite Film "Mamma Roma" (1962) noch stark
vom Neorealismus beeinflußt. 1964 drehte der Atheist Pasolini mit Laiendarstellern,
darunter seiner Mutter als Maria, "Das erste Evangelium - Matthäus", in dem er
das Leben Jesu vor allem in seiner sozialen Bedeutung nüchtern und sachlich darstellte.
Auf "Kleine Vögel - große Vögel" (1966) folgten "Edipo Re - Bett der
Gewalt" (1967), "Teorema - Geometrie der Liebe" (1968), "Der
Schweinestall" (1969) und "Medea" (1969) mit Maria
Callas in der Hauptrolle.
"Decamerone" leitete 1971 eine Trilogie von Verfilmungen erotischer Klassiker
ein ("Canterbury Tales", 1972; "Erotische Geschichten aus 1001 Nacht",
1974). Den Vorwurf der Kritik, diese Filme trotz erkennbarer sozialkritischer Ansätze auf
den Kassenerfolg hin produziert zu haben, beantwortete Pasolini 1975 mit seinem
radikalsten und provozierendsten Film, "120 Tage von Sodom", in dem er durch
schonungslose und bis ins letzte Detail konsequente Darstellung sadistischer Gewalt und
sexueller Exzesse mit faschistischen Ideologien abrechnete.
Dieser Film fiel in den meisten Ländern der Zensur zum Opfer. Kurz nach der Premiere
wurde Pasolini am 1. November 1975 in Ostia ermordet.
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