Im Gegensatz zu den meisten anderen Dichtern seiner Zeit gab Reinmar, auch "der
Alte" genannt, in seinen Liedern keinerlei Aufschluß über seine Person. Allein bei Walther von der Vogelweide und in Gottfried von
Straßburgs "Tristan" wird der wahrscheinlich aus einem elsässischen
Ministerialengeschlecht stammende Minnesänger erwähnt, der vermutlich ab 1190 am Hof des
Babenbergers Leopold IV. in Wien lebte, wo er Lehrer Walthers war.
Etwa 80 Lieder sind überliefert, wovon jedoch über die Hälfte als unecht gilt. Es
handelt sich um Ideendichtung über das Thema der hohen Minne, der unerfüllbaren Liebe
des Sängers zu einer hochgestellten Dame. Die Germanistik verehrt seine konservative
Strenge als Klassik des Minnesangs, doch Reinmar stand mit dieser Haltung im Gegensatz zu
den Strömungen seiner Zeit.
Er und sein Schüler Walther wurden geistige und poetische Gegner; in der berühmten
Reinmar-Fehde wandte sich Walther gegen Reinmars wirklichkeitsfremde Stilisierung und
forderte den Realitätsbezug der Mine. Reinmar dürfte um 1210 gestorben sein, und Walther
ehrte ihn trotz der Gegnerschaft mit einer Totenklage.
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