Kaiser Wilhelm II. ließ es sich nicht nehmen, am Grab
des Grafen Alfred von Schlieffen einen Kranz nieder zu legen, der am 4. Januar 1913 knapp
80jährig die "herrlichen Zeiten" gesegnet hatte, die der Kaiser so gerne
heraufbeschwor. Der am 28. Februar 1833 in Berlin geborene Schlieffen war 1863 als
Offizier in den preußischen Generalstab aufgerückt und 1891 dessen Chef geworden, jetzt
natürlich reichsweit.
Er sah mit Sorge, die außenpolitische Isolierung, in die die allerhöchste
"Weltpolitik" Deutschland führte, und setzte daher für den Kriegsfall auf
präventative Offensive. Bevor die "russische Dampfwalze" ins Reich rollen
könne, müsse der französische Gegner ausgeschaltet sein durch eine gigantische
Umfassungsschlacht.
Der Schlieffen-Plan sah vor: Angriff mit 7:1 überlegenem rechten Flügel durch Belgien
in großem Schwenk nach Nordfrankreich, Überflügelung der französischen Verteidiger,
Eindrehen um Paris und Vernichtung des Gros der gegnerischen Kräfte in der deutschen
Zange. Schlieffen erlebte die Verwässerung seines Plans nicht mehr, die 1914 zur
Katastrophe an der Marne führen sollte.
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