Der Weiseste unter den Weisen, der wußte, das er nichts wußte.
Sokrates wurde um 470 vor Christus als Sohn eines Steinmetzen und einer Hebamme in
Athen geboren. Er hat seine Vaterstadt nur zur Telnahme an Feldzügen verlassen, bei denen
er sich durch Mut und Tapferkeit auszeichnete. Seine äußere Erscheinung, nach den
erhaltenen Bildnissen zu urteilen, entspricht weder dem herkömmlichen Bild eines Griechen
noch dem eines Philosophen, deutet doch seine ganze Haltung eher auf einen Handwerker hin
- der er ja der Herkunft nach auch war.
Den erlernten Beruf des Vaters vernachlässigte er aber frühzeitig und ebenso seine
Familie (sprichwörtlich sind die Vorwürfe seiner Frau Xanthippe geworden), um sich ganz
der Lehrertätigkeit zu widmen, zu der er sich berufen fühlte und die in dieser Art
völlig neu war.
Tag für Tag bewegte sich Sokrates, einfach, fast ärmlich gekleidet, auf den Straßen
und Plätzen von Athen. Eine bunte Schar von Schülern umgab ihn, unter ihnene viele
Jünglinge aus den ersten Familien der Stadt. Er lehrte unentgeltlich und lebte von der
Gastfreundlichkeit seiner Schüler.
Das Lehren vollzog sich ganz im Gespräch, in einem Frage-und-Antwort-Spiel. Dabei
wandte sich Sokrates nicht nur an seine Schüler, sondern redete mit Vorliebe Passanten
an. Regelmäßig mit harmlosen Fragen beginnend, dann immer weiterfragend und nicht
lockerlassend, führte er das Gespräch allmählich auf allgemeine philosophische Fragen
wie : Was ist Tugend ? Wie gewinnen wir Wahrheit ? Welche ist die beste Staatsverfassung ?
Dabei trieb er seinen Gesprächspartner immer weiter in die Enge, bis dieser sein
Nichtwissen eingestand - und Sokrates hatte erreicht, was er erreichen wollte. Politisch
hatte sich Sokrates für die aristokratische Partei entschieden. Als nach einem Umsturz
die demokratische Partei wieder an die Macht kam, klagte man Sokrates im Jahre 399 vor
Christus der Gottlosigkeit und der Verführung der Jugend an. Seine mutige
Verteidigungsrede ist in der Wiedergabe Platons erhalten.
Sokrates wurde zum Tode verurteilt und mußte den Schierlingsbecher trinken. Er lehnte
es ab, um Gnade zu bitten, und ließ sich auch nicht zur Flucht bewegen.
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