Der Dichter wurde um 1170 geboren. Sein Geburtsort ist von jeher beliebtes Streitobjekt
der Forschung, jedoch deutet vieles auf Niederösterreich. Nur eine einzige Urkunde
gibt es über ihn: Danach wurden ihm im Jahre 1203 von Bischof Wolfger von Passau fünf
Solidi zur Anfertigung eines Pelzmantels ausgezahlt.
Da Walthers Dichtung jedoch in hohem Maße politisch war, läßt sich aus
Selbstaussagen einiges rekonstruieren. Er war landloser Ministeriale und lebte von 1190-98
am Hof der Babenberger in Wien, wo er bei Reinmar von Hagenau den Minnesang erlernte. Da
er sich mit dem Nachfolger des Herzogs Friedrich des Katholischen, Leopold dem Glorreichen
überwarf, führte er ab 1198 das Wanderleben eines Minnesängers, er diente unter anderem
den Fürsten von Thüringen, nachweislich hielt er sich auch während des Bürgerkrieges
bei der Stauferpartei Philipps von Schwaben auf, den er
gegen Otto von Braunschweig in seinen Liedern nachhaltig
unterstützte. Von Friedrich II. erhielt er um 1220 bei
Würzburg ein kleines Lehen.
Neben seiner politischen Lyrik spielt auch der Minnesang in Walthers Werk eine Rolle,
mit zunehmendem Alter wandte er sich jedoch von der ritualisierten "Hohen
Minne", der nach höfischer Sitte unerfüllbaren Liebe, der "Niederen
Minne", der echten erfüllten Liebe - auch unter dem Stand -, zu. Im 19. Jahrhundert
wurde Walther von der nationalistischen Strömung in Deutschland zunehmend als
patriotischer Dichter vereinnahmt, wobei die mittelalterliche Realität ignoriert wurde.
Eines seiner Lieder inspirierte Hoffmann von Fallersleben zur Dichtung des "Lieds
der Deutschen". Walther starb um 1230, der Überlieferung nach befindet sich sein
Grab in Würzburg.
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