Aus dem Pietisten und Asketen, der am 5. September 1733 in einem evangelischen
Pfarrhaus in Oberholzheim bei Biberach in Schwaben zur Welt kam, wurde durch die
persönliche Bekanntschaft mit den führenden Aufklärern seiner Zeit ein genuß- und
sinnenbejahender Mensch. 1772 wurde Wieland als Prinzenerzieher nach Weimar berufen, wo er
dann, seit 1775 als freier Schriftsteller, bis zu seinem Tod am 20. Januar 1813 lebte.
Die meisten Werke des von Goethe hochgeschätzten Dichters sind so zeitgebunden, daß
sie dem heutigen Menschen nicht mehr viel zu sagen haben. Lebendige Wirkung zeigen
allenfalls noch der selbstbiographische Roman "Agathon", der humorvoll-
satirische Roman "Die Abderiten" und das Heldengedicht "Oberon", das
Goethe als "einen dicken Zauberschwindel" bezeichnete und mit Entzücken las.
Was Demokrit, der Vernunftbeherrschte, in Abdera
erlebt, hat Wieland selbst "eine idealisierte Komposition des ganzen
Menschengeschlechtes, besonders unserer Nation und Zeit" genannt. Im
"Oberon" rechnet der "Sänger der Aufklärung" mit der Ritterromantik
ab. Die nachhaltigste literarische Wirkung hat Wieland durch seine Shakespeare-
Übersetzung (8 Bände, 1762-66) ausgelöst.
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