Das für afrikanische Verhältnisse ungewöhnlich fruchtbare und von Teilen des tektonischen Ostafrikanischen Grabenbruchs durchzogene Hochland von Äthiopien hat zu allen überlieferten Zeiten eine Sonderstellung nicht nur in ganz Afrika, sondern auch gegenüber den unmittelbaren Nachbarn eingenommen. Archäologen machen diese Gegend als eine Wiege der Menschheit aus - bereits vor mindestens 3.5 Mio Jahren haben hier aufrecht gehende Verwandte des Homo Sapiens gelebt.
Es gehört zur Mystifizierung der traditionierten und fast 2,000 Jahre alten äthiopischen Staatsideologie, dass die Kaiser dieses bemerkenswerten ostafrikanischen Reiches direkte Nachfahren des alttestamentarischen und als besonders weise gerühmten Königs Salomon (ca -925 v.Chr. gestorben, Regent seit ca. -963) seien, weshalb die bis 1974 mit wenigen Unterbrechungen andauernde Kaiserdynastie sich selbst 'salomonisch' nannte.
Zumindest wurde dieser Anspruch erstmals für den sagenhaften Dynastiegründer der Salomonischen Dynastie, den Negus Negesti Menilek I. (Menelik, Menelek), erhoben. Die zu Grunde liegende Legende ist, dass die Königin von Saaba, Makeda, während ihres Besuches bei König Salomon in Jerusalem von diesem schwanger wurde und nach ihrer Heimkehr den Dynastiegründer Menilek I. gebar.
Das äthiopische Hochland wurde der Legende nach im Verlauf des ersten Jahrtausends vor Christus von semitischen Stämmen aus Südwest-Arabien, vorherrschend also dem Westteil des biblischen Saba, besiedelt. Diese brachten Sprache, Schrift, Gebräuche und ihren steinernen Baustil ins Land und gründeten um die Mitte des ersten vorchristlichen Milleniums die Stadt Aksum.
Moderner linguistischer Forschung zufolge ist der Ursprung der nicht nur semitischen äthiopischen Bevölkerung allerdings eher in der Gegend des heutigen Sudan zu suchen. Die sehr wohl bestätigte Einwanderungswelle aus Südwestarabien habe erst im ersten nachchristlichen Jahrhundert eingesetzt.
In den ersten beiden vorchristlichen Jahrhunderten entstand in der Küstenregion zum Roten Meer hin (mit Kern im heutigen Eritrea) das Reich von Aksum, das seine Blütezeit im 4. bis 6. Jhdt unserer Zeitrechnung hatte und vom 8. bis ins 12. Jhdt. hinein langsam wieder unterging.
Das Reich von Aksum war Zentrum des Handels mit dem Römischen Reich, Griechenland, Kleinasien, Arabien, Ostafrika und Indien und beherrschte auf dem Höhepunkt seiner Macht die größten Teile des Horns von Afrika einschließlich des Zugangs zum Persischen Golf bis in den heutigen Yemen hinein. 534 setzte Aksum hier einen Statthalter ein.
Neben der Umgangssprache Gi'iz war Griechisch die offizielle Handelssprache.
Mit Ausdehnung des Oströmischen Reiches nach Nordost-Afrika gelangte um 335 das Christentum nach Äthiopien, wo es im Verlauf der Jahrhunderte seine eigene Ausprägung als Äthiopisch-Orthodoxe Kirche erhielt. Formelles Oberhaupt der Kirche war bis ins späte 20. Jhdt. hinein der Patriarch von Alexandria in Ägypten.
Die Macht von Aksum begann zu bröckeln, als persische Sassaniden 572 den Yemen eroberten und die Kontrolle über Südwestarabien erlangten. Als diese dann auch das byzantinisch beherrschte Ägypten angriffen, geriet das christliche Äthiopien allmählich in die Isolation und wurde nach und nach von seinen traditionellen Handelspartnern abgeschnitten.
Die Sassaniden mussten im 7. und 8. Jhdt. ihre Macht an die seit dem Tod des Religionsstifters Mohammed von 632 stark expandierenden inzwischen muslimischen Araber abgeben.
Weil das Reich Aksum ab 615 Anhängern und Familienmitgliedern Mohammeds während der Jahre seiner Flucht vor seinen Widersachern Asyl gewährt hatte, war es zwar von gewaltsamer muslimischer Eroberung verschont geblieben, wurde aber noch stärker von der Außenwelt abgeschnitten als bereits unter der Sassanidenherrschaft. Reibereien mit den Arabern blieben deshalb nicht aus.
Bis ins 9. Jhdt hinein eroberten die Araber die vor Eritrea liegende Inselwelt und infiltrieren die gesamte Nachbarschaft Äthiopiens.
Anfang des 12. Jhdt. wurde schließlich auf dem Küstenstreifen des Horns von Afrika östlich des Hochlandes von Äthiopien das Sultanat Ifat errichtet, Äthiopiens Zugang zum Meer abgeschnitten und damit der Grundstein gelegt für bis heute andauernde Auseinandersetzungen zwischen Küsten- und Hochlandbewohnern.
Die Konflikte haben ihre traditionellen Wurzeln zudem in der unterschiedlichen Lebensform der 'Hochländer' und der 'Flachländer': Während im Hochland Ackerbau möglich ist, weshalb sich dort eine bodenständige Agrarkultur entwickelte, ist im eher ariden Küstenstreifen lediglich Viehzucht in nomadisierender Form möglich. Dies führte zwangsläufig zu unterschiedlichen Gesellschaftsformen, die nicht in Einklang zu bringen waren.
Das isolierte und allmählich zerfallene Reich Aksum bzw. die ihr folgende und wieder 'salomonische' Dynastie Amlak konzentrierte sich ab Ende des 13. Jhdt. auf Eroberungen und Missionierungen im heutigen Norden des Landes. Der einzige Kontakt zu anderen Christengemeinschaften bestand zur Koptischen Kirche Ägyptens, die ja auch den äthiopischen Patriarchen stellte.
Ägyptische Kopten infiltrieren 996 das Land auf ihrer Flucht vor den ägyptischen Fatamiden in großer Zahl.
Um das Jahr 1000 herum wurde das Land von Süden her durch nomadisierende afrikanische Stämme weitgehend verwüstet.
Erst 1516 gelingt es Äthiopien unter dem Herrscher Lebna Dengel, sich dem Druck seiner muslimischen Nachbarn erfolgreich zu erwehren.
1538 eroberte das Osmanische Reich den Yemen und besetzte Aden. Die vor ihnen zurück weichenden muslimischen Araber drangen zunehmend in das christliche Kernland Äthiopiens vor. 1543 wurde ein massiver Angriff von ihnen mit Unterstützung Portugals, das sich mit Spanien in Auseinandersetzungen um die Vormachtstellung bei der Kontrolle der Seewege nach Asien befand, vereitelt.
Den Muslimen folgten mehrere Wellen von Invasionsversuchen nomadisierender Galla, die Äthiopien erst im 19. Jhdt. unter Kontrolle bekommen konnte.
Seit dem Kontakt zu den Portugiesen hatte sich das christlich-orthodoxe Äthiopien auch Missionierungsversuchen der Römisch-Katholischen Kirche zu erwehren. Die Folge war eine langfristige Schwächung der Zentralgewalt im Lande und das Erstarken lokaler Feudalherren.
Um 1750 zerfiel die Kaisermacht vollends und es folgte eine bis 1801 andauernde Zeit von Thronwirren. Diese wurden erst von König Egwala Sejon, der sich bis 1818 halten konnte, mit dem Sturz des Usurpators Demetrios beendet.
Erst in der Mitte des 19. Jhdt. setzten wieder Zentralisierungsbestrebungen ein, von denen diejenige unter Tewodros II. (Theodor) am erfolgreichsten war und zum Wiederaufleben des zentralistisch regierenden Kaisertums führte. Tewodros II. konnte weite Teile des Landes unterwerfen und wurde am 11.2.1855 wieder als Negus Negesti (König der Könige) im wieder errichteten Kaisertum bestätigt.
Ihm folgte am 21.1.1872 der Eroberer Äthiopiens, Fürst Kassai von Tigre, als Jojannes IV., der im Kampf gegen die sudanesischen Mahdi fiel, und diesem schließlich am 9.3.1889 der legendäre Verteidiger Äthiopiens gegen italienische Eroberungswünsche, Menilek II., in dessen Regierungszeit 'die Aufteilung Afrikas' unter die Kolonialmächte fiel (die diesbezügliche Afrika-Konferenz fand in Berlin vom 15.11.1884 bis 26.2.1885 statt und stellte für die Teilnehmerstaaten 'Eroberungsregeln' auf).
Waren 1875 erst ca. 10% Afrikas in europäischer Hand, so waren es 1902 bereits ca. 90% - wobei die Eroberung des Schwarzen Kontinents unter vollständiger Missachtung gewachsener Stammesgrenzen und -verflechtungen und in der Regel rücksichtslos und gewalttätig verlief.
Am 15.4.1891 kam es zwischen den Anspruchstellern Großbritannien und Italien zu einer Konvention, in der den Briten die Einflussnahme in Ägypten und im Sudan (den sie in der Mahdi-Rebellion 1882-1885 verloren hatten) und den Italienern diejenige in Äthiopien (das diese bereits 1887-1889 zu erobern versucht hatten) bilateral interventionsfrei zugestanden wurde.
Menilek II., der die äthiopische Herrschaft des Amhara-Volkes vom Norden aus massiv in den Süden der Region durch Unterwerfung der dortigen Stämme ausdehnte, wurde von Frankreich unterstützt, das die vorherrschende italienisch-britische Präsenz in der Region gerne eingedämmt hätte und über einen kleinen aber bedeutenden Teil von Somalia mit der Hafenstadt Djibouti 'verfügte'.
Zwischen beiden Staaten wurde der Bau einer Eisenbahn von dort zum im Südteil des Landes gelegenen Addis Abeba, wohin Menilek II. seinen Hofstaat und Palast aus dem Norden verlegt hatte, vereinbart, und Frankreich anerkannte die Souveränität Äthiopiens, das zu jener Zeit Abessinien genannt wurde.
Italien begann 1895 von Eritrea aus, das es 1885-1887 nach zweijährigem Krieg okkupiert hatte, mit einen neuerlichen Invasionsversuch im Norden Äthiopiens. Zum Erstaunen der Welt konnte sich Menilek II. dem Angriff nicht nur erwehren, sondern fügte den Invasoren am 1.3.1896 bei Adua eine kriegsentscheidende vernichtende Niederlage zu, die Äthiopien als einzigem afrikanischen Land die Unabhängigkeit besicherte. Italien musste die Unabhängigkeit Äthiopiens anerkennen, konnte den Kolonialbesitz Eritrea allerdings verteidigen.
Bis 1908 hatten alle Kolonialmächte die Integrität der äthiopischen Grenzen anerkannt - mit Ausnahme derjenigen zu Italienisch-Somaliland.
Auf den Tod von Menelek II. vom 22.12.1913 folgte wegen der Unmündigkeit seines Erben und angefochtener Regentschaften eine Dekade von Unruhen und Intrigen, bestens geschürt durch die Kolonialmächte. 1926 erlangte Tafari Mekonnen die eigentliche Regierungsmacht in Äthiopien als Regent für die als Herrscherin anerkannte Tochter von Menilek II., Zawditu. 1928 wurde Tafari zum Negus gekrönt, nach dem Tod von Zawditu (April 1930) im November 1930 als Haile Selassie I. zum Negus Negesti, Kaiser von Äthiopien - 'Der Löwe von Juda, Erwählter Gottes, König der Könige'.
Die erste Regierungszeit von Haile Selassie war geprägt durch Wiederherstellung der kaiserlichen Zentralmacht, Entmachtung des Adels, Modernisierung des Landes und Reformen. Noch 1930 wurde ein Strafrecht erlassen, 1931 verabschiedete er eine Landesverfassung, welche die Position des Negus Negesti keinesfalls in Frage stellte. Und in demselben Jahr wurde ein zu seinen Lebzeiten unerfüllter Traum von Menilek II. wahr: Die Bank von Äthiopien wurde gegründet, und das Land bekam eine eigene Währung mit eigener Münze.
1932 konnte Haile Selassie die neue Kaisermacht bei der Zerschlagung einer Revolte demonstrieren. Eine vollständige Kontrolle über den Landadel konnte - und wollte - er jedoch nicht erreichen, sie hätte einerseits die Zerschlagung traditioneller Kontrollinstrumente des in Nord- (='Alt'-) und Süd- (='Neu'-) Äthiopier geteilten Volkes vor Ort bedeutet, andererseits wäre sie aus geographischen und kommerziellen Gründen kaum durchführbar gewesen.
Die italienischen Faschisten unter Mussolini zielten auf ein zusammenhängendes 'adriatisches Herrschaftsgebiet', das nach ihrer Vorstellung bis Italienisch-Somalia reichen sollte, und konnten 1935 mit einem Überfall auf Äthiopien 'Rache für Adua' nehmen. Am 3.10.1935 marschierten sie mit einer Übermacht in das Land ein und eroberten es vollends, am 9.5.1936 nahm der italienische König Viktor Emanuel III. den Titel 'Kaiser von Abessinien' an. Haile Selassie ging bis zur Niederlage der Italiener im Zweiten Weltkrieg in ihren Kolonialgebieten, also bis 20.1.1941 in britisches Exil.
Bei seiner Rückkehr, zunächst nach Gojam, dann 1942 nach Addis Abeba, verfolgte Haile Selassie als Kernstrategie die Wiederherstellung der kaiserlichen Autorität über die unterschiedlichsten Widerstandsgruppen, und die Loslösung von fremdherrschaftlichen Einflüssen, die zwar zu seiner Rückkehr, aber auch das Land in eine erhebliche Instabilität und zu einer unübersehbaren Dominanz der Briten geführt hatten.
Am 5.5.1941 kehrte Haile Selassie nach Addis Abeba zurück, die letzten im Norden eingekesselten italienischen Truppen ergaben sich den britisch-äthiopischen Streitkräften im Januar 1942. Obwohl Großbritannien formell die Souveränität Äthiopiens anerkannt hatte, behielt es die Kontrolle über strategisch wichtige Einrichtungen (besonders über die Eisenbahnlinie Addis Abeba - Djibouti), Institutionen, Währung, Außenhandel und - über 'Berater' - das Militär. Von Haile Selassie angemeldete Ansprüche an Eritrea und Teile von Somaliland wurden von den Briten zurückgewiesen.
Äthiopiens unmittelbare Nachkriegszeit war geprägt vom Bemühen des Kaisers und des Adels, die alte Feudalordnung wieder herzustellen. Dies musste angesichts der Kontakte zur Außenwelt, welche breite Bevölkerungsschichten seit der italienischen Invasion nun hatten, zu sozialen Spannungen führen. Hinzu kam, dass im Zuge des Kalten Krieges insbesondere die UdSSR an einer Destabilisierung der von den Westmächten unterstützten oder kontrollierten Länder weltweit hochgradig interessiert war, um selbst Einflussnahme zu erlangen.
Haile Selassie trug selbst mit zur Destabilisierung des Landes durch Reformen bei, welche die traditionierten Herrschaftsstrukturen unterwanderten:
Zum Einen mit einer 1942 per Dekret erlassenen Steuer-Reform, welche die Pfründe des bis dahin steuerbefreiten Adels und des Klerus aushebelte, deshalb auf erheblichen Widerstand stieß und je nach Druckverhältnissen im Laufe der folgenden Jahre stückweise zurück genommen wurde.
Zum Anderen machte sich der Kaiser in einer 1948-1956 durchgezogenen Reform der Orthodoxen Kirche an Stelle des Patriarchen von Alexandria selbst zum Kirchenoberhaupt und brach dergestalt mit einer über 1,600 Jahre alten Tradition. Die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche antwortete mit einer regelrechten 'Produktion' von neuen Bischöfen, was sie in die Lage versetzte, einen eigenen Patriarchen selbst zu wählen - 1959 geschah dies zum ersten Mal mit der Wahl des ersten äthiopischen Erzbischofs Abuna Basilios zum Patriarchen der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche.
Am 13.12.1960 unternahm schließlich eine Gruppe von Radikalreformern, unterstützt von den Chefs und Stäben von Leibwache und Polzei, einen Staatsstreich, während Haile Selassie auf Auslandsreise war. Die Umstürzler fanden allerdings weder im Volk noch beim Militär noch beim Klerus unterstützung, weshalb der Coup scheiterte und der Kaiser am 17.12.1960 unangefochten zurück kehren konnte. Das Ereignis markiert gleichwohl die zunehmende Polarisierung zwischen Traditionalisten und Reformern im Lande.
Parallel dazu war Eritrea ein Problemfall geworden. Per Resolution der UN-Vollversammlung vom 15.9.1952 sollte das überwiegend von Muslimen bewohnte Land mit eigener Selbstverwaltung föderalistisch an Äthiopien angegliedert existieren. Aber bereits im August 1955 begann die Aushöhlung des UN-Beschlusses, und nach mehreren Jahres durch Äthiopien ausgeübter Repressalien, Beschneidung von Rechten der Muslime und durch Bestechungen stimmte das eritreische Parlament im November 1962 mehrheitlich für die Umwandlung des Landes in eine äthiopische Provinz.
Bereits 1958 war im ägyptischen Exil von Hamid Idris Awate die 'Eritrean Liberation Movement' (ELM) in Kairo gegründet worden, aus der 1960 die ELF, 'Eritrean Liberation Front', als ursprünglich muslimische aber im Grunde rein nationalistische Bewegung hervor ging. Sie erhielt starken Zulauf auch von Christen, insbesondere aber von sozialistisch gesinnten Idealisten beider Konfessionen, und wurde vom Irak und Syrien und damit indirekt von der UdSSR unterstützt. Bereits 1961 begann die ELF mit bewaffnetem Widerstand gegen die äthiopische Präsenz, der sich bis 1966 zum Bürgerkrieg auswachsen hatte.
Die innerhalb der ELF existierenden Spannungen zwischen Christen und Muslims, Nationalisten und Sozialisten sowie Stadt- und Landbevölkerung führten 1970 zur Abspaltung der 'Popular Liberation Forces' (PLF) durch den Führer der muslimischen Sektion der ELF, Osman Salah Sabbe, die im Frühjahr 1972 in die Eritrean People's Liberation Front (EPLF) mündete. Der Bürgerkrieg hatte jetzt drei Parteien, die sich gegenseitig bekämpften. 1976 brach Osman auch mit der EPLF und gründete mit der 'Eritrean Liberation Front-Popular Liberation Front' (ELF-PLF) schließlich eine vierte Bürgerkriegspartei. Auf dem Höhepunkt des Bürgerkrieges traute sich das äthiopische Militär, das ohnehin nur noch die Ballungszentren beherrschte, nur noch bei Tageslicht auf die Straße.
Die Zunahme der sozialen Spannungen im eigenen Lande, der erfolglose Versuch Eritrea zu okkupieren, Separationsbestrebungen und Revolten einiger äthiopischer Provinzen, die vollständige Rücknahme (1969) aller Steuerreformen seit 1940 und der Rückzug Haile Selassies aus der unmittelbaren Innenpolitik, die er weitgehend seinem Premierminister Aklilu Habte Wold zugunsten außenpolitischer Aktivitäten überlassen hatte, und schließlich eine Welle von Hungersnöten führten zu der Revolution, die am 12.1.1974 mit einer Revolte hungernder Soldaten begann, das ganze Land erfasste und am 12.9.1974 zur Inhaftierung und Absetzung von Haile Selassie I. führte.
Drei Tage später erklärte sich die im Laufe des Jahres aus dem zersplittert organisierten Militär entstandene und allgemein als Derg bezeichnete Militärjunta 'Provisional Military Administrative Council' (PMAC) als neue Regierungsinstanz mit dem weithin geachteten Lieutenant General Aman Mikael Andom als Vorsitzendem. Die PMAC alias 'Derg' war aus dem im Sommer gegründeten 'Coordinating Committee of the Armed Forces, Police, and Territorial Army' (Derg = Kommitee) hervor gegangen, dem Major Mengistu Haile Mariam vorstand. Aus den folgenden bis 1978 andauernden vier Jahren blutiger Kämpfe um die eigentliche Macht im Lande sollte Mengistu im September 1977 als Sieger hervorgehen.
Unmittelbar nach der Machtübernahme durch den PMCA wurde 1975 ein sozialistische Programm verkündet und mit umfassender Enteignung und Verstaatlichung des Bankwesens, allen bebaubaren Landes und aller vermietbarer Häuser umgesetzt.
Im August 1975 verstarb der inhaftierte ehemalige Kaiser Haile Selassie unter nicht geklärten Umständen, er wurde heimlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestattet, sein Todesdatum wird offiziell mit 27.8.1975 angegeben. 1976 wurde der amtierende Patriarch der Orthodoxen Kirche ohne Nachfolgenominierung für abgesetzt erklärt. Und in demselben Jahr wurde die 'Demokratische Volksrepublik Äthiopien' proklamiert.
Das Mengistu-Regime forcierte den Separationskrieg mit Eritrea, der längst auf die angrenzende Region Tigray übergegriffen hatte, und herrschte über die Bevölkerung mit polizeistaatlichen Methoden, was zu anhaltender Auswanderung begüterter und intellektueller Kreise führte.
1977 begann das von Mahammad Siad Barre geführte Nachbarland Somalia einen intensiv und verbittert geführten Guerillakrieg mit Äthiopien um dessen Provinzregion Ogaden und brachte Mengistu in arge Bedrängnis. Dieser ging die UdSSR um Unterstützung an, nachdem der bisherige Militärpartner USA Äthiopien in der Menschenrechtsfrage gerügt hatte. Die Sowjetunion, die bis dahin Somalia unterstützt hatte, wechselte das Lager in der Absicht, sich fest am Horn von Afrika zu etablieren, und unterstützte das Mengistu-Regime in massivster Weise mit Material und Soldaten, insbesondere mit aus dem Angola abgezogenen etwa 17,000 Kubanern.
Am 1.2.1987 ließ das Regime eine neue sozialistische Verfassung, die mehr eine Kopie derjenigen der Sowjetunion von 1977 als eine auf Äthiopiens Bedürfnisse abgestellte war, durch eine fragwürdige Volksabstimmung absegnen. Sie löste die 1955 von Haile Selassie verabschiedete ab.
Der Machtzerfall des Mengistu-Regimes begann Mitte der 80-er Jahre mit einer andauernden Dürrekatastrophe und nachfolgenden Hungersnöten, vornehmlich in den an Eritrea grenzenden und von Rebellen kontrollierten Nordregionen. Das Regime verlor internationale Anerkennung, als es Hilfstransporte in die Region unterband und sich unfähig zeigte, der Situation qualifiert zu begegnen. Statt dessen wurde die Not leidende Bevölkerung unter Zwang urbanisiert oder in den Süden des Landes umgesiedelt. Im März 1988 eroberten die Rebellen in einer Großoffensive die Militärbastion Afabet, wobei ihnen neben 17,000 Gefangenen umfangreiche Waffenlager und militärisches Gerät in die Hände fiel.
Als dann schließlich der Kalte Krieg zu Ende ging und sich der Zerfall der Sowjetunion anbahnte, war das Ende des Mengistu-Regimes nach Wegfall sowjetischer Unterstützung nur noch eine Frage der Zeit. 1991 floh Mengistu aus dem Land, und eine Nationalkonferenz setzte einen Staatsrat zur Erarbeitung demokratischer Strukturen und Institutionen. 1994 wurde eine föderalistische demokratische Verfassung nach dem Vorbild der Bundesrepublik Deutschland angenommen.
Nach einem von der UNO überwachten Referendum wurde Eritrea am 24.5.1993 selbständig. Die Grenzstreitigkeiten mit Äthiopien hörten deshalb keineswegs auf und eskalierten 1988 erneut zu einem bis 2000 dauernden Krieg. Eine UN-Kommission soll nun über den strittigen Verlauf der Grenze entscheiden.
( DirectDownloads ) Kalenderblätter druckfertig aufbereitet für Schmuckblätter zum Selbstdrucken im Word DOC6/RTF Format, je Euro 5 über Click&BuyJAN | FEB | MÄRZ APRIL | MAI | JUNI JULI | AUG | SEPT OKT | NOV | DEZ
Das Geschenk für jeden Anlass, nicht nur bei 'runden' Jubiläen Andere Einzeltage oder Zahlungsarten bitte HIER bestellen