MIR hat im Russischen sowohl die Bedeutung für 'Frieden' als auch für 'Welt' im übertragenen Sinne (die physikalische Welt ist 'Semlja').
Das Kernmodul (core module) der MIR wurde am 20.2.1986 ins All befördert. Man hat eine Dekade lang an der Station gebaut, erst am 26.4.1996 wurde das letzte der acht Module installiert, von denen fünf direkt mit dem core module verbunden waren.
Das ehrgeizige und auf fünf Jahre Lebensdauer angelegte Projekt der UdSSR hat im im Laufe des knapp über 15-jährigen Betriebes (davon über 13 Jahre bemannt) mehr als 100 Kosmonauten und Astronauten beherbergt. 43 von ihnen waren Langzeitbewohner, 59 waren in Kurzzeitmissionen von jeweils unter einem Monat an Bord. 17 Kosmo-/Astronauten waren wiederholt in Langzeitmissionen auf ihr stationiert.
Valery Polyakov stellte 1994-1995 mit einem ununterbrochenen Aufenthalt von 438 Tagen den absoluten Weltrekord für den Aufenthalt eines Menschen im Weltall auf.
Die Stammbesatzung bestand aus 2-3 Crews, in Spitzenzeiten waren bis zu 6 Personen gleichzeitig an Bord. Weltraumspezialisten von 12 Nationen nahmen an MIR-Missionen teil, neben Russen und Amerikanern solche aus Kanada, Syrien, Afghanistan, Deutschland, Großbritannien und Japan. Über 20,000 wissenschaftliche Experimente wurden an Bord durchgeführt.
Das Gesamtgewicht der im Laufe der Jahre auf acht operative Module angewachsenen Station betrug zum Schluss etwa 140 Tonnen. Die 30 auf 33 Meter spannende MIR umrundete die Erde in einer Höhe von 375 bis 410 km innerhalb von 92 Minuten ein Mal.
Die 'Lasten-Esel' der sowjetisch-russischen Betreiber waren 7.5 Tonnen schwere Proton-Raketen, die meist im automatischen Betrieb die MIR von der Erde aus mit Nachschub versorgten. Zum Transport von Crewmitgliedern kamen sowjetisch-russische Soyuz-TM Raketen und Space Shuttles der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA zum Einsatz.
Es wurden über 1,500 'bemerkenswerte' Zwischenfälle an Bord registriert, einige von ihnen führten an den Rand einer Katastrophe. Unter den spektakulären Unfällen waren mehrere lebensbedrohende Kollisionen mit Versorgungsraketen und eine Feuersbrunst. Zur Routine wurden für manche improvisations-erprobte Crew Zusammenbrüche der Stromversorgung oder Ausfälle der Bordcomputer. Das Jahr 1997 war das katastrophalste für die MIR.
Am 23.2.1997 brach ein Feuer an Bord aus, das in kürzester Zeit große Teile der Station einschließlich der Soyuz-Rettungskapsel mit dichtem Rauch füllte, bevor die Mannschaft Gasmasken anlegen konnte.
Am 25.6.1997 kollidiert eine Versorgungsrakete beim Testen eines neuen Andocksystems per Joystick mit der MIR, reißt ein Loch in das Spektr-Modul und zerstört einen Teil der für die Energieversorgung lebenswichtigen Sonnensegel. Sofortiges zischendes Entweichen von Atemluft und Druckabfall waren die unmittelbare Folge. Die Sicherheitsschleuse zum Spektr-Modul konnte nicht gleich geschlossen werden, weil sie durch eine Unmenge von Daten- und Versorgungskabeln blockiert war und ein Trennwerkzeug nicht sofort gefunden werden konnte.
Am 28.8.1999 kehrte die letzte Besatzung der MIR zur Erde zurück, ohne ersetzt worden zu sein. Nachdem verschiedene Versuche fehlgeschlagen waren, die MIR kommerziell - z.B. für zahlungskräftige Weltraumtouristen - zu nutzen, und nachdem am 20.11.1998 bereits mit dem Aufbau der International Space Station ISS begonnen worden war, fiel dann auch die konsequente Entscheidung, die MIR aus dem Orbit zu nehmen.
Am 22.3.2001 verglühte der größte Teil der MIR beim kontrollierten Eintritt in die Erdatmosphäre, einige Reste stürzten bei den Fidji-Inseln in den Pazifischen Ozean.
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